Die Zukunft heute verändern

Mit Unterstützung des Klima- und Energiefonds.

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Stimmen der Energieforschung: Klaus Bernhardt

Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie

Wien — 2020-02-27

Interview mit DI Dr. Klaus Bernhardt, MBA
FEEI, Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie

 

Wie wird der Konsument die Neuerungen durch die Digitalisierung der Elektro- und Elektronikindustrie spüren?

Die Digitalisierung wird mehr und mehr all unsere Lebensbereiche durchdringen. Vor allem in den Bereichen Verkehr, Mobilität und Energie erwarten wir uns durch die Digitalisierung großes Potential hinsichtlich der Einsparung von Energie. Im Verkehr werden Technologien wie automatische Fahrassistenten zu einem effizienteren Verbrauch führen. Apps die es auch heute schon gibt, werden noch besser auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt werden z.B. wenn es darum geht, welche Verkehrsmittel ich nehme, um schnell und optimal an mein Ziel zu kommen. Auch dadurch wird Energie eingespart. Aber auch im Energiebereich ansich wird sich durch die Digitalisierung viel verändern. Beispielsweise spielt die Digitalisierung bei der Integration erneuerbarer Energieträger eine wichtige Rolle. Wir brauchen neue digitale Technologien um unsere Energiesysteme besser und effizienter steuern zu können und Schwankungen im Energienetz ausgleichen zu können. Ebenso werden Smart Devices, zum Beispiel eine Smart Watch für ältere Personen, die Lebensfunktionen permanent misst und alarmiert, wenn Unregelmäßigkeiten auftreten, zur Normalität werden.

 

Stichwort Klimawandel. Welche Rolle spielt die Digitalisierung für die Dekarbonisierung von Energiesystemen?

Wie schon erwähnt, benötigen wir digitale Systeme um erneuerbare Energieträger in unser Energiesystem integrieren zu können. Die Digitalisierung bietet die Basis, um bestehende Systeme auf Energieeffizienz zu optimieren. Neue Technologien und Innovationen wie Smart Grids und die digitale Steuerung dieser Technologien, haben großen Einfluss auf die Effizienz in unseren Energiesystemen. Hier wird es in erster Linie darum gehen, automatisch und sehr genau Schwankungen im Energiesystem der Zukunft ausgleichen zu können. Wenn unterschiedliche Energieerzeuger, dazu gehören auch erneuerbare Energieträger wie zum Beispiel Photovoltaik, in das Energienetz integriert werden, muss die Netzspannung erhalten bleiben. Dieser Vorgang ist sehr komplex und kann durch digitale Entwicklungen automatisiert werden. Es gibt heute schon viel Potential Energie einzusparen und durch neue digitale Technologien wird das noch besser gelingen. Und das ist notwendig, weil wir in Zukunft ansich viel mehr vor allem elektrische Energie benötigen werden. Aber auch bei der Speicherung von Energie durch erneuerbare Energieträger wird die Digitalisierung eine wesentliche Rolle spielen. Ich denke da z.B. an intelligente Speichersysteme, die automatisch Energie an den Verbraucher aber auch an das Energiesystem abgeben, wenn sie benötigt wird.

 

Was bedeutet die Entwicklung von klimaschonenden Energiesystemen für den Industriestandort Österreich?

Gerade in Österreich verfügen wir über besonders großes Wissen zu elektronisch basierten Systemen, die die Grundlage für Entwicklungen klimaschonender Energiesysteme sind. Hierzulande haben wir sehr viele Unternehmen in den Bereichen Mobilität und alternative Energien, die mit ihren Produkten Energiesysteme effizienter machen und Technologien für klimaschonende Energiesysteme entwickeln. Vom großen Industriekonzern bis zum Startup, sind wir hier in Österreich wirklich sehr gut aufgestellt. Man kann durchaus sagen, dass wir hier nicht nur in Europa, sondern weltweit gesehen eine Vorreiterrolle innehaben. Es werden zum Beispiel neue Messgeräte und Transformatoren entwickelt, mit denen man Energiesysteme besser steuern kann. Für Österreich eröffnet sich die Chance diese Technologien für den globalen Markt umzusetzen und neue Lösungen in diesen Bereichen zu erforschen, wodurch auch neue Arbeitsplätze entstehen. Dadurch, dass wir da von Anfang an vorne mit dabei sind, entstehen nach und nach Wertschöpfungsketten die sich wiederum positiv auf die volkswirtschaftliche Leistung Österreichs auswirken werden.

 

Welche Schwerpunkte in der Energieforschung und Innovation braucht es künftig?

Aus meiner Sicht gibt es noch sehr viel Forschungspotential bei Basistechnologien. Nehmen wir beispielsweise Photovoltaikanlagen her. Hier wurde die Forschung in Europa weitestgehend eingestellt. Aber wir haben in Europa viel Know-how bei der Energieumwandlung. Diese Technologien werden in Zukunft ebenso benötigt werden und darauf sollten wir uns konzentrieren. Ebenso muss auch im Energiesystem ansich mehr geforscht werden. In Zukunft werden wir unser Energiesystem auch durch die Integration von erneuerbaren Energieträgern feiner regulieren müssen und mehr Schwankungen ausgleichen müssen. Dafür brauchen wir neue Technologien die Großteils erst erforscht werden müssen. Da wird auch Künstliche Intelligenz eine große Rolle spielen. Diese Technologien müssen wir heute schon beginnen zu erforschen, damit wir sie dann einsetzen können.

 

Welche neuen Förderformate würden Sie sich wünschen?

Wir haben in Österreich einige Formate in der Forschungs- und Innovationsförderung, die einen sehr positiven Effekt auf die Innovationsleistung Österreichs haben. Gerade der Klima- und Energiefonds ist hier sehr aktiv. Diese müssen künftig aber noch weiter ausgebaut werden. Bedarf sehe ich vor allem wenn es darum geht neue Technologien die aus der Forschung auf den Heimmarkt kommen zu testen und in den Markt überzuleiten. Hier gibt es eine gewisse Lücke in Österreich die unbedingt geschlossen werden muss. Ebenso ist die öffentliche Beschaffung ein wichtiges Instrument, um die Entwicklung neuer Technologien zu fördern. Hier könnte oder müsste man noch mehr ansetzen. Auch Innovationspartnerschaften sind in diesem Kontext ein wichtiges Format, das noch weiter ausgebaut werden muss.

 

Vielen Dank für das Gespräch!


Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie - FEEI

Der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie vertritt in Österreich die Interessen des zweitgrößten Industriezweigs mit rund 300 Unternehmen, rund 67.000 Beschäftigten und einem Produktionswert von 18,83 Milliarden Euro (Stand 2018). Gemeinsam mit seinen Netzwerkpartnern – dazu gehören u. a. die Fachhochschule Technikum Wien, UFH, die Plattform Industrie 4.0, Forum Mobilkommunikation (FMK), der Verband Alternativer Telekom-Netzbetreiber (VAT) und der Verband der Bahnindustrie – ist es das oberste Ziel des FEEI, die Position der österreichischen Elektro- und Elektronikindustrie im weltweit geführten Standortwettbewerb zu stärken.

 

Lebenslauf Klaus Bernhardt

Klaus Bernhardt studierte Technische Physik an der TU Wien und dissertierte anschließend in den Bereichen Oberflächenphysik und Prozessautomatisierung am Institut für allgemeine Elektrotechnik. Ergänzend absolvierte er das Aufbaustudium Betriebs-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften.

Seit 2004 leitet Klaus Bernhardt die Kernbereiche Forschung und Entwicklung und Energie im FEEI. 2002 bis 2004  leitete er im Büro Internationale Forschungs- und Technologiekooperation (heute FFG) den IKT Bereich. Davor war er in den Unternehmen Frequentis und Ericsson Austria AG im Projekt- bzw. Produktmanagement tätig.

Seine thematischen Schwerpunkte im FEEI reichen von der europäischen Forschungsförderung insbesondere auch für kleinere und mittlere Unternehmen, Stärkung des Produktionsstandorts in Österreich bis zu technischen Rahmenbedingungen für Normen- und Prüfwesen.

DI Dr. Klaus Bernhardt ist außerdem im Vorstand von ECSEL-Austria, des ÖVE, der ÖQS sowie im Vorstand der Technologieplattform Smart Grids Austria.