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Stimmen der Energieforschung: Doris Schnepf

Green4Cities

Wien — 2020-05-18

Interview mit DI Doris Schnepf
Green4Cities

 

Wodurch entsteht der Kühlungseffekt bei blauer und grüner Infrastruktur?

Vegetation und klimaresiliente Bauweise können den negativen Auswirkungen von sommerlicher Überhitzung auf natürliche Weise entgegenwirken. Der Effekt kommt unter anderem durch die erzeugte Verdunstungskälte zustande, welche die Umgebung kühlt, aber auch durch Verschattung oder helle, offenporige und „weiche “ Oberflächenmaterialien, die möglichst wenig Hitze puffern.

Denn der thermische Komfort der Menschen bezieht sich nicht allein auf die Lufttemperatur. Vielmehr ist die sogenannte gefühlte Temperatur für das thermische Wohlbefinden ausschlaggebend. Dieses Temperaturempfinden setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen, neben der Lufttemperatur sind das vor allem die Luftfeuchte, Wind sowie kurz- und langwellige Strahlung.

 

Warum sind Begrünungen so wichtig, um das Klima in Großstädten aber auch in Kleinstädten zu verbessern?

Die positiven Auswirkungen von Begrünung auf das Stadtklima, aber auch auf das Regenwassermanagement konnten in einer Vielzahl an wissenschaftlichen Projekten eindrucksvoll belegt werden.

Wenn man das Klima in einer Stadt aber nicht nur aus der Perspektive des Mikroklimas betrachtet, sondern ganzheitlicher im Sinne der Lebenszufriedenheit und Gesundheit, so ergeben sich noch deutlich mehr Gründe, um Begrünung als immanent wesentlichen Baustein in der Stadtgestaltung zu erachten.

 

Eigenen sich nur Neubauprojekte dafür, Begrünungsmaßnahmen zu setzen?

Bei Neubauprojekten kann schon in sehr frühen Planungsphasen auf Klimaresilienz gesetzt werden, etwa durch Optimierung der grünen und blauen Infrastruktur, die richtige Wahl der Oberflächenmaterialien oder die Exposition der Bebauungsstrukturen. So kann beispielsweise mit der GREENPASS® Methode , welche auch im Projekt Tröpferlbad 2.0 zum Einsatz kommt, bereits die Planung auf mikroklimatische Parameter hin punktgenau bewertet und entsprechend angepasst werden. Insofern ist klimaresiliente Planung und Umsetzung im Neubau einfacher. Die mit Abstand größte Fläche in den Städten ist aber nun einmal der Bestandsbau. Dort muss man neben dem beengten Platz mit verschiedenen bestehenden Rahmenbedingungen umgehen, wie zum Beispiel den unzähligen Bodeneinbauten und Leitungen oder dem Denkmalschutz. Hier zeigen wir mit den gemeinsam mit Breathe Earth Collective entwickelten Designs der Coolspots im Tröpferlbad Projekt unter anderem Möglichkeiten auf, wie man ohne massive Bodenintervention aber mittels intelligenten Designs klimaresiliente Freiräume im Bestand schaffen kann. Die Investitionskosten, aber auch die Pflegekosten von Begrünungen im Bestandsbau sind im Regelfall deutlich höher. Weshalb ich meine, dass man eine Integration der Bevölkerung und ein Herausholen dieser Tätigkeiten aus dem reinen Ehrenamt dafür strategisch andenken sollte.

 

Wie weit lässt sich durch solche Maßnahmen dem Klimawandel entgegenwirken?

Klimawandel wird - auch strategisch - in zweierlei Hinsicht betrachtet, nämlich bezüglich der Klimawandelanpassung, zum Beispiel die Reduktion von Hitzeinseln oder Hochwassermanagement, und zweitens in Bezug auf Klimawandelschutz, also der Reduktion von CO2.

Die Effekte auf lokaler, urbaner Ebene durch grüne und blaue Infrastruktur sind hauptsächlich im Sinne der Klimawandelanpassung zu sehen. Also durch teils sehr signifikante Kühlung der Umgebungstemperatur oder durch Regenwassermanagement.

Darüber hinaus haben diese Maßnahmen aber auch weitreichende Wirkungen wie etwa auf die Gesundheit oder auch auf das Thema Biodiversität.

Klimaschutz im Sinne einer signifikanten CO2 Reduktion ist aus meiner Sicht insbesondere im Zusammenspiel mit weiteren Handlungsfeldern zu sehen. Zum Beispiel mit dem Handlungsfeld Mobilität, denn grüne Infrastruktur braucht Platz oder auch aufgrund von Lebensstiländerungen. Wenn mehr Menschen gerne vor Ort bleiben, so kann die durch grüne Infrastruktur verursachte Lebensstiländerung ebenfalls einen signifikanten Beitrag zum Thema Klimaschutz durch CO2-Reduktion leisten.

 

Welche neuen Förderformate würden Sie sich wünschen?

Hinsichtlich der Forschungsförderung würde ich mir ein Format wünschen, welches die öffentliche Hand - dazu gehören Stadtebene, Gemeindeebene, aber auch europäische Ebene - und deren strategische Ziele im Sinne von Co-Creative-Governance-Formaten programmatisch stärker mit den Bedürfnissen und Zielen der breiten Bevölkerung verbindet. Also eine strukturierte Förderung von gleichzeitigen „Top Down“, strategischen städtischen Ziele, und „Bottom Up“ Ideengenerierung, Umsetzung, Pflege,  Ansätze für dieselben Gesamtziele Klimawandelanpassung und Klimawandelschutz.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Lebenslauf DI Doris Schnepf

Doris Schnepf ist Geschäftsführerin der Firma Green4Cities. Als Landschaftsplanerin beschäftigt sie sich mit der nachhaltigen Gestaltung des urbanen Raumes. Nach dem Studium der Landschaftsplanung, unterbrochen von einem mehrjährigen Aufenthalt in Lateinamerika, war sie zunächst wissenschaftliche Mitarbeiterin und später Mitgründerin eines außeruniversitären Forschungsinstituts in Wien. Nach Gründung eines weiteren Unternehmens im Bereich innovative Bewässerungstechnologie hat sie das Unternehmen Green4Cities gemeinsam mit Kolleg*innen gegründet.