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Dekarbonisierung der Industrie anschaulich gemacht

Wie die österreichische Industrie CO2-neutral werden kann, zeigte das AIT Austrian Institute of Technology in der Studie IndustRiES 2019 auf. Mit dem NEAT- und dem IndustRiES-Tool stellt das AIT Center for Energy im Auftrag des Klima- und Energiefonds eine interaktive Web-Applikation zur Verfügung, die auch Laien mit wenigen Klicks zeigt, welche Auswirkungen die Dekarbonisierung der Industrie auf einzelne Energieträger und den Endenergiebedarf haben.

Das Nutzenergie-Analyse-Austria-Tool (NEAT) zeigt Energieflussdiagramme und Tabellen zu Energieverbräuchen nach Energieträgern und Nutzkategorien. Abgerufen werden können historische Verbräuche der Jahre 1993 bis 2018 – und demnächst auch des Jahres 2019. Die Daten können österreichweit, bundeslandweise und auch für verschiedene Wirtschaftssektoren dargestellt werden. Für den produzierenden Bereich sind auch die drei Szenarien der IndustRiES-Studie – Basis, Effizienz und Umbruch – verfügbar.

Ausstiegsszenarien. Im (kurzfristigen) Basis Szenario werden fossile Brennstoffe durch Erneuerbare ersetzt, Niedertemperatur-Wärme mit Wärmepumpen erzeugt und fossil betriebene Standmotoren durch elektrische ersetzt. Im (mittelfristigen) Effizienz Szenario werden zunehmend auch Dampferzeugung und Industrieöfen durch Wärmepumpen gedeckt und die Prozesseffizienz auf Branchenebene vorangetrieben. Das (längerfristige) Umbruch Szenario geht von einem noch höheren Wärmepumpenanteil aus, sieht biogene und brennbare Abfälle nur noch für Hochtemperaturanwendungen vor und ersetzt die prozessbedingt eingesetzte Kohle in der Eisen- und Stahlerzeugung durch Wasserstoff.

Das IndustRiES-Tool zeigt den monatlichen Bedarf einzelner Energieträger über ein Jahr – sowohl den Status Quo als auch in den drei Szenarien. Im Bereich der elektrischen Energie kann zudem die Deckung (Angebot minus Nachfrage) abgerufen werden. Weiters wird zwischen Werktagen und Wochenenden unterschieden. In Summe verarbeiten die beiden Tools mehr als fünf Millionen Datensätze. Ausgangsbasis sind Daten der Statistik Austria, welche um Daten der durchgeführten Modellierungen (in Stundengranularität) ergänzt wurden. Für eine gute Vergleichbarkeit orientiert sich die Nomenklatur an der Statistik Austria.

Mehr Ökostrom benötigt. „Die Verschiebungen zwischen den bisher und den künftig eingesetzten Energieträgern zeigen die Tools auf einen Blick – zum Beispiel den erhöhten Bedarf an elektrischer Energie und biogenen Brennstoffen sowie die zunehmende Bedeutung von Ab- und Umgebungswärme“, erklärt Projektleiter Roman Geyer. „Allein die Umstellung der Eisen- und Stahlindustrie von Kohle auf Wasserstoff im Umbruch-Szenario wird für die Elektrolyse halb so viel Strom benötigen wie ganz Österreich derzeit verbraucht.“

Die beiden Tools stehen der interessierten Öffentlichkeit unter industries.ait.ac.at zur Verfügung und werden vor allem für BranchenvertreterInnen sowie für die Politik von Nutzen sein. Denn die Dekarbonisierung der Industrie bringt hohe Anforderungen an die bestehende Infrastruktur mit sich. „So wird sie, um beim Beispiel der Eisen- und Stahlerzeugung zu bleiben, nicht ohne einen massiven Ausbau der Stromleitungen in Oberösterreich und der Steiermark möglich sein“, so Geyer.

Europaweite Kooperation. „Österreich ist derzeit zu zwei Dritteln von Energieimporten abhängig. Der Ausbau der erneuerbaren Energien, vor allem Photovoltaik und Wind, ist daher enorm wichtig“, fasst Geyer zusammen. „Die Dekarbonisierung der Industrie ist möglich, doch die Energieautarkie werden wir auch künftig nicht schaffen. Es bedarf gesamteuropäischer Anstrengungen für eine Umsetzung.“

Weitere Informationen:

NEAT- und IndustRiES-Tool

Studie IndustRiES 2019